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Aktuelles

Imperial Meeting Juli 2015 in Bisley/England: Paul Eggemann gewinnt die renommierten Wettkämpfe "The St. George`s" und "The Farquharson"

Mannschaftsfoto mit den Pokalen nach der Siegerehrung. Von links nach rechts: Manfred Heil,

Wolfgang Scholze, Klaus Schwegler, Paul Eggemann, Rudi Eckbauer, Rainer Adler


Imperial Meeting 2015 in Bisley/England: eins der größten Treffen von Schießsportfans für Großkaliberschießen mit Gewehren auf kurzen und weiten Entfernungen weltweit

F-Class Schießsport für alle Teilnehmer gleich: keine Einteilung in Altersklassen, Schütz(en) / -innen mit- oder ohne Behinderungen

Größere Herausforderung für F-Class Schützen durch Komprimierung der Wettkämpfe auf 5 Tage bei gleichzeitiger Erhöhung der Anzahl der Long Range Wettkämpfe


Was macht das Imperial Meeting aus, dass jedes Jahr über 1000 Sportschützen nach Bisley/England reisen, um sich dort in verschiedenen Disziplinen des Großkaliber-Schießsports zu messen?

Die Faszination, die unseren Sport ausmacht, wenn wir auf 1000 Yard das V-Bull in Größe einer CD getroffen haben und der "Marker" in der Anzeigerdeckung  die rote Anzeigetafel auf dem rechten unteren Rand des großen Scheibenträgers aufgehängt hat? Es ist sicher nicht nur dieser persönliche Erfolg. Es ist vor allem auch der Reiz, Wind und Wetter zu trotzen und die damit verbundenen schwierigen Verhältnisse zu meistern, eigene Fehler zu erkennen und aus den Erfahrungen zu lernen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt darüber, dass es möglich ist, mit einem Gewehr auf so weite Entfernung ein so kleines Ziel zu treffen. Es gehören Erfolge aber auch Enttäuschungen dazu. Wer von uns F-Class Schützen hat nicht schon mal daran gezweifelt, ob man sich nochmals den "Stress" antut , den Anforderungen schwieriger Wetterlagen auszusetzen und ein mieses Ergebnis einfahren soll. Doch beim nächsten Mal sind alle, die die Bisley Atmosphäre erlebt haben, wieder dabei.

Dass Schießsport nicht nur von Schützen im "besten Alter" sondern auch in sehr hohem Alter noch erfolgreich und mit großer Begeisterung  ausgeübt werden kann, möchte ich am Beispiel meines englischen Schießsportfreundes Jo Wright deutlich machen. An jedem Imperial Meeting und bei jeder Europameisterschaft, an denen ich seit 2004 ununterbrochen teilgenommen habe, war er dabei.  Er hat mich mit seinen inzwischen 92 Jahren so beeindruckt, dass ich ihn gebeten habe, uns aus seinem Leben zu berichten (in der Anlage befindet sich eine PDF-Datei zum Interview).

Jo Wright mit mir beim Austausch der ScorekartenAuf dem Foto tauschen wir nach dem Wettkampf "Wimbledon" auf der 600 Yard Feuerlinie die Scorekarten. Jo hatte den Wettkampf mit 74 Ringen und 10 VBull gewonnen und mich mit 74 Ringen und 8 V Bull auf den 2. Platz verwiesen.

Der Kanadier Mr. Farquharson hatte Ende des letzten Jahrhunderts die Idee, auf das Target Rifle Gewehr ein Zielfernrohr zu montieren. Er wollte älteren Schützen, die aufgrund körperlicher Probleme nicht mehr in der Lage waren, diese Sportart auszuüben, wieder Gelegenheit geben, an Wettkämpfen teilzunehmen. Dieses Schießen wurde nach seinem Namen mit "F" Class benannt. Beim "146ten Imperial" wurde jetzt erstmals das bedeutendste "Queens-Schießen" zu seinen Ehren in "The Farquharson" umbenannt.

Das klassische F-Class-Schießen war so zunächst das Schießen mit TR-Gewehren im Kaliber .308 Win und Munition, bei dem das Geschossgewicht auf 155 Grain beschränkt war - die F-Class TR. Kurze Zeit später wurde die "F-Class Open" gegründet. Das Kaliber bei F Open ist freigestellt bis zu einem Durchmesser von 8mm, das Kaliber bei F-TR ist begrenzt auf .308 Win und .223 Rem, allerdings mit inzwischen frei gegebenem Geschossgewicht.  Weitere Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen sind das zulässige Gewicht des Gewehrs und die  vordere Gewehrauflage. Entsprechend den internationalen Regeln darf bei "F-Open" eine schwere "Benchrest -Auflage" benutzt werden. Bei "F-TR" muss von einem  Zweibein, das  zum Gewicht zugerechnet wird, geschossen werden. Das Gewicht des Gewehrs kann bei "F- Open" bis zu 10 Kg und bei "F-TR" bis zu 8,25 Kg betragen.

Ältere Schützen, zu denen ich beispielsweise unseren englischen Freund "Terry" Mr. TAE Giulian zähle, und zu denen ich selbst auch gehöre, oder Schützen mit körperlichen Problemen, bestimmen allerdings längst nicht mehr das Bild der F-Class Scene. Terry möchte ich an dieser Stelle dennoch stellvertretend für andere Engländer nennen, weil er bei uns - den deutschen Teilnehmern - durch seine sehr freundliche Art und seine Begeisterung für den Schießsport gut bekannt ist.

Terry und seine Frau mit mir auf StickledownAuf dem Foto ist auch seine Frau zu sehen, die ihm beim Auf- und Abbau zu den Wettkämpfen behilflich ist.  

Inzwischen ist diese Sportart rasant gewachsen und wird von viel jüngeren Schützen ausgeübt und bestimmt. Frauen sind zwar in der Minderheit, aber dennoch vertreten, wie die Erfolge der  jungen, englischen Frauen Mrs Elena Davis von den "Dorset Rifleman" und Miss SC Yates von den "British Snipers" zeigen.

Miss Yates mit ihrem Gewehr mit Schalldämpfer im Kaliber .308 Win auf der Feuerlinie

Für das diesjährige Imperial hatten die Organisatoren die Dauer des Gesamtwettkampfes für die "F-Class" von 8 auf 5 Tage verkürzt. Die Short Range Wettkämpfe von 300 bis 600 Yard aber größtenteils beibehalten und die Long Range Wettkämpfe fast verdoppelt. Zum Grand Aggregate gehörten alle Wettkämpfe, die von Samstag bis Montag geschossen wurden. Dazu gehörten auch "The Corporation of the City of London" und "The Lovell" auf 1000 Yard sowie "The Duke of Cambridge auf 900 Yard, die jeweils aus 2 Schießen bestanden. Ein Schießen am Vormittag, das zweite am Nachmittag. Um allen F-Class Schützen die gleichen Bedingungen zu bieten, wurden alle F-Class Schützen in 2 Details, also 2 Gruppen, die direkt nacheinander schossen, zusammengefasst.

Insgesamt hatten wir mit 4 Wettkämpfen an jedem Tag ein sehr anspruchsvolles Programm.

Die Anzahl der Wertungsschüsse beträgt 15, bei den Finals auf 900 bzw. 1000 Yard 20. 2 Probeschüsse sind erlaubt. Die maximale Ringzahl beträgt somit 75 bzw. 100 Ringe, die  Anzahl der "V-Bulls" (Innentreffer) entscheidet bei Ringgleichheit über die Platzierung.

Es wird im "3er Squad" geschossen, d.h. 3 Schützen liegen nebeneinander und schießen nacheinander auf eine Zielscheibe. Jedem Schützen stehen nach dem Erscheinen der Scheibe und der Bestätigung  des Ergebnisses (Score) durch den Nachbarschützen nur 45 Sekunden für den nächsten Schuss zur Verfügung. Der Score wird jedesmal durch den Nachbarschützen auf der Scorekarte  notiert.

Erforderlich für erfolgreiches Schießen auf langen Entfernungen ist ein präzise schießendes Gewehr. Meine Empfehlung ist, eine Patrone so zu laden, dass auf 100m mit 5 Schuss ein kleines Schusspflaster getroffen wird, auf 300m sollte das Gewehr auf der ZG 3 Scheibe die 5 halten.  Gleichgültig dabei ist, welches Kaliber und welche Geschossgewichte geschossen werden. Aber Achtung: Die beste 100m-Ladung ist nicht immer die beste auf 300m bzw. 1000 Yard. Deshalb ist wichtig, vor dem Wettkampf auf jeden Fall die Munition auf 300m zu testen. Erst dann kann man sicher sein, mit guter Munition an den Start gehen zu können. Für die langen Entfernungen benötigen wir natürlich eine stramme Ladung, allerdings gilt es zu beachten, dass die stärkste Ladung meist nicht die Präziseste ist.

Entscheidendes Kriterium ist, Wind und Wetter richtig einzuschätzen. Wind lesen, wie wir sagen, wird wohlWindfahne: Schwacher Wind: 4M/ph niemand zu 100 % können. Es gibt aber einige Grundlagen, Tabellen und Tricks, die man berücksichtigen sollte. Aus Platzgründen darüber mehr in einem nächsten V0 Bericht.  Nur eins ist klar, theoretisch ist Windlesen nicht zu lernen. Nur praktische Erfahrung auf der Feuerlinie gibt einem die nötige Sicherheit, auch bei starkem Wind die Mitte der Scheibe zu treffen.

Vom BDMP war eine 6 Mann starke F-Class Open Mannschaft entsandt worden. Wolfgang schoss mit seiner 7mm WSM, Manfred mit seiner .284, alle anderen schossen erstmals mit Gewehren im Kaliber  .300 WSM.

Das Wetter bescherte uns diesmal eine Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen. Wenn es zu Beginn der Wettkämpfe brütend heiß war und der Wind nur schwach, kam er schon mal als schwer zu berechnender "Fishtailwind" daher. Meist aber lösten sich Wolken und Sonne ab und der  Wind kam aus 9.00 bis 10 Uhr mit Windstärken von 8 bis 12 M/ph,  in Böen aber auch bis 16 M/ph. Es galt zu erkennen, wenn sich geringfügig die Windrichtung änderte, der Wind nachließ oder plötzlich als Böe erschien. Bemerkenswert war, dass meist  bereits morgens früh die Flaggen waagerecht im Wind standen. Welche Kapriolen der Wind mitunter spielte, ist auf dem Foto zu sehen, das ich unmittelbar nach meinem Schießen auf 900 Yard von der 1000 Yard Linie gemacht habe:  Die Flaggen zeigen die Windrichtung und -stärke gegensätzlich an.

Windkapriolen

 

Die sonst übliche frühmorgendliche Windstille beim ersten Wettkampf fand nicht statt - ein großes Plus für die Chancengleichheit! Der Regen verschonte uns im Großen und Ganzen - nur an einem Tag war es notwendig, sich selbst und die Ausrüstung  vor Nässe zu schützen.

Insgesamt nahmen ca. 50 F-Class Schützen, davon jeweils zur Hälfte "F-Open" und "F-TR" an den verschiedenen Wettkämpfen teil. Darunter eine Reihe von international bekannten Top-Schützen, aber auch Schützen, die einfach mal die Herausforderung suchten.

Nach meiner Auffassung ist die Anzahl der Teilnehmer  bei der Einordnung der Erfolge nicht so wichtig. Wenn man den Erfolg der deutschen Mannschaft mit 4 Challenge Cups, die NRA Gold St George`s Badge, die F Open Farquharson Badge, 8 Gold, 3 Silber und 2 Bronzemedaillen würdigen will, sollte man sich die Medaillen und BadgesEinzelergebnisse anschauen. Sie sind im Einzelnen auf der GB NRA-Internetseite nachzulesen. Einen kleinen Eindruck vom F-Class Schießen vermittelt ein Video, das beim "St. George Final" abends um 19.00 Uhr und von der anschließenden Siegerehrung gefilmt wurde: https://www.youtube.com/watch?v=YsgCKrNLG2w&feature=youtu.be

Für mich bedeutete das Imperial 2015, von der Anzahl der Wettkämpfe und den Wetterbedingungen her gesehen, eine der größten

Manfred Heil bei der Siegerehrung Paul Eggemann bei der Siegerehrung

Herausforderungen, die ich je bei schießsportlichen Wettkämpfen zu meistern hatte.  Neben meinen größten Erfolgen in den beiden Finals "The Farquharson" und "St George" und einigen anderen Wettkämpfen möchte ich von den  herausragenden Leistungen unserer deutschen Teilnehmer noch den 1. Platz beim "Donegall" auf 300 Yard hervorheben - wir konnten Manfred Heil zu seiner ersten Goldmedaille gratulieren. Rudi Eckbauer gewann den Wettkampf "Century", bestehend aus je einem Schießen auf 500- und 600 Yard.Rudi Eckbauer bei der Siegerehrung

Beim F-Class International Team Schießen konnten wir uns gegen die starke Mannschaft der Engländer nicht durchsetzen und wurden so respektabler 2. Sieger.

Die Unterbringung im BDMP eigenen "The Spott" war diesmal geradezu luxuriös. Die deutschen TR-Schützen fehlten diesmal wegen ihrer Teilnahme an der WM. Nur ein zusätzlicher TR-Schütze fügte sich problemlos in unser Team ein. Gute Stimmung und kameradschaftliches Miteinander waren gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme an diesem sehr anspruchsvollen Wettbewerb.

Bei Manfred Heil möchte ich mich für die Fotos und seine Unterstützung beim Übersetzen bedanken, bei Horst Mitera für Fotobearbeitung sowie fachkundige Beratung.

gez. Paul Eggemann

 

Fotos: Manfred Heil / Horst Mitera (Bearbeitung) / Katia Malcaus Cooper (NRA-GB)